BIID - DACH
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Zur Forschung

BIID ist ein Phänomen, das zwar beschrieben ist, aber bis jetzt nicht erklärt werden kann. Auch die Beschreibung selbst ist noch nicht sehr weit gediehen. Studien über die Erscheinungsformen laufen noch. Wichtig ist: Es gibt keine Korrelationen mit irgendwelchen Psychosen oder Neurosen. Umfangreiche psychologische Tests haben ergeben, dass die Betroffenen geistig und seelisch gesund sind. Nur diese Sehnsucht ist eben da.

Wir haben versucht, den Forschungsstand in den Texten für Betroffene und Angehörige allgemeinverständlich zusammenzufassen. In den letzten Jahren sind einige Fachartikel erschienen, von denen sehr viele allerdings auf geringen Fallzahlen oder sogar nur auf hypothetischen und theoretischen Erwägungen beruhen. An empirischen Erkenntnissen ist ein großer Mangel. Deshalb sind alle Thesen mit Vorsicht zu betrachten.

Auch die empirischen Untersuchungen kommen zu stark unterschiedlichen Ergebnissen. In einer Studie (First) ist zum Beispiel ein hoher Anteil an homosexuellen Personen aufgefallen; in einer anderen Studie (Blanke et al.) war der Homosexuellen-Anteil viel kleiner (nur 1 von 20 Personen). In einigen Studien ist das hohe Bildungsniveau bemerkt worden. Vermutlich beruhen alle diese „Auffälligkeiten“ darauf, wie die Befragten/Untersuchten gefunden und gewonnen worden sind. Die mit Abstand größte Befragung stammt immer noch von Prof. Dr. Michael B. First, New York, aus dem Jahr 2004; er hat 52 Personen interviewt. Eine Untersuchung mit einer größeren Zahl von Befragten gibt es noch nicht.

BIID hat es vielleicht schon immer gegeben. Es ist ein Fall aus dem 18. Jahrhundert dokumentiert worden, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um BIID handelte. Die Kenntnisse über BIID sind auch deshalb so gering, weil vermutlich die allermeisten Betroffenen darüber schweigen oder schweigen müssen. Erst das Internet hat es ermöglicht, dass viele Menschen mit BIID Informationen erhalten und sich austauschen können. Es gibt BIID-Betroffene auf allen Kontinenten, in allen Altersstufen, beiden Geschlechtern (und bei Transsexuellen), mit jeder sexuellen Orientierung; es gibt ledige, verheiratete, verwitwete und mit ihrem Partner zusammen lebende BIID-Personen. Auch alle Arten von Berufen sind vertreten. Ein echtes Muster hat sich nicht gefunden. Auch was die Eltern und das Verhältnis zu ihnen angeht, lässt sich keine gemeinsame Erfahrung finden. Die einzige Gemeinsamkeit ist BIID selbst.


Zur Behandlung

Viele Menschen mit BIID haben schon Therapien versucht. Die Liste der angewandten Methoden ist lang. Bis jetzt ist uns (und aus der Literatur) kein einziger Fall einer Heilung bekannt, außer auf chirurgischem Weg.

Nach einer chirurgischen Lösung berichten alle uns bekannten Betroffenen, sie fühlten sich frei, erleichtert, endlich als sie selber, glücklich und entspannter. Die amputierten Menschen bereuen es nicht und fühlen sich nicht behindert, sondern endlich ganz.

Die Erfahrungen mit anderen Therapien sind zwar gut, aber es ist kein Fall einer dauerhaften Heilung von BIID bekannt. Es wurden schon viele Ansätze probiert, auch „alternative“ Methoden. Psychotherapien helfen aber häufig, die mit BIID verbundenen Schuld- und Schamgefühle, die Unsicherheit und das in manchen Fällen etwas angegriffene Selbstwertgefühl („was würden die Menschen von mir denken, wenn sie wüssten…?“) zu verbessern. Körperarbeit und Entspannungstechniken helfen, mit der Belastung, dem Stress und der ständigen Frustration besser umzugehen. Es tut schon allein gut, BIID nicht mehr nur als gefährliches Geheimnis mit sich herumzuschleppen. Auch das Zusammenleben mit anderen Menschen wurde verbessert, vor allem, wenn auch die Partnerin/der Partner teilweise in die Therapie einbezogen wurde.

Aber auch nach zehn Jahren diverser Therapien, auch mit Körperarbeit etc., hat sich bei manchen Betroffenen BIID selbst nicht verringert, sondern eher geklärt und verstärkt.

Medikamente haben bis jetzt keinen Nutzen gebracht, außer in Phasen extremer Depression (die unabhängig von BIID auftreten, aber auch von BIID ausgelöst werden kann). Serotoninwiederaufnahmehemmer haben nach Berichten Betroffener eine Verbesserung des allgemeinen seelischen Befindens bewirkt, aber die Sehnsucht nach Amputation (oder Lähmung oder anderen Körperveränderungen) eher verstärkt und vor allem die Hemmungen vor einer Verwirklichung deutlich gemindert.

Erfahrungen mit Therapien und Therapeuten werden im Forum (Link) besprochen.

Wir können hier natürlich nur die Erfahrungen von Betroffenen wiedergeben, die uns bekannt sind. Eine systematische Erhebung ist uns leider unmöglich. Es kann durchaus sein, dass Menschen mit Psychotherapien oder anderen Methoden wirklich dauerhaft geholfen werden konnte. Wir raten deshalb jedem Betroffenen, der unter BIID leidet, zu einer Therapie. Im Forum machen wir auch Vorschläge und stellen den Kontakt mit Therapeuten her.